Ein historischer Spaziergang durch die Altstadt von Wedel

 

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Am 15.09.2015 haben 25 Teilnehmer einen historischen Spaziergang in Wedel unter der Leitung von Herrn Dr. Thies Bitterling unternommen. Um 10:00 Uhr ging es vom Standort alter Marktplatz los.

Das historische Wedel ist der Ortsteil rund um den Marktplatz mit der 450 Jahre alten Rolandstatue. In Wedel nennt man diesen Teil auch „Altstadt“. Der 1558 erbaute Roland, der einen Kaiser symbolisiert, blickt heute über den Verkehr in Richtung Elbe. Um 1900 stand der Roland noch mitten auf dem Marktplatz.

Unser Spaziergang führte uns zunächst Richtung „Bürgerpark“, der heute auch zur Naherholung dient. Wir durchquerten ein dreiflügeliges Tor mit einem klassizistischen Giebel mit der Inschrift „Christus ist mein Leben“. Früher war dieses das Tor zum  alten Wedeler Friedhof. Es gibt auch heute noch Hinweise für seine vergangene Bestimmung. Wir fanden eine Gruppe alter Grabplatten von Wedeler Familien. Im Zentrum befindet sich eine große Platte für den Ehrenbürger von Wedel. Es handelt sich hierbei um den Sanitätsrat Dr. Jürgen Heinrich Boockholtz, der von 1876-1904 als Polizei- und Armenarzt in Wedel tätig war. Im Schatten alter Bäume befindet sich das Denkmal für die gefallenen Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Dieses Denkmal befand sich früher am Anfang der Rolandstraße auf Höhe des Rammschen Hauses (Rolandstraße 21).

Auf dem Obelisk kann man die Namen von sechs jungen Männern aus Wedel lesen, die in dem Krieg von 1870/71 gefallen sind: Körner, Kleinwort, Öding, Brügmann, Abel, Fälschlein. Das im Bürgerpark stehende Denkmal ist eine Kopie des alten Steins, der 1977 zerstört wurde.

Zurück geht unser Spaziergang wieder in Richtung „Alter Marktplatz“ und zur Küsterstraße. Der Mittelpunkt der Küsterstraße ist das Haus Nummer 5, das 1829 als Schulhaus errichtet wurde. Es dient seit 1992 als Museum und zeigt Exponate aus fast allen Jahrhunderten seit 1212. Unser Weg führt uns weiter zur Kirche am Roland, heute Immanuelkirche. In 400 Jahren wurde die Wedeler Kirche fünfmal neu errichtet. Ihre Erbauung ist nicht bekannt, in einer Chronik aus dem Jahre 1790 ist die Rede davon, dass um 1311 eine Kirche mit einem hölzernen Turm errichtet worden sei. Zwei bekannte Dichter befinden sich in der Nähe der Kirche als Denkmal beieinander: das Schiller-Denkmal und das Denkmal von Johann Rist.  Johann Rist übernahm 32 Jahre das Pastorat in Wedel bis zu seinem Tod 1667 und war in dieser Zeit den Gemeindemitgliedern ein „guter Hirte“.

Unser Spaziergang führt uns weiter zum Ochsenmarkt-Denkmal, welches den Handel des Ochsenmarktes darstellt. Im 18. Jahrhundert verlor der Ochsenmarkt seine große Bedeutung. Wir verlassen das Ochsenmarkt-Denkmal und wenden uns dem Geburtshaus von Ernst Barlach zu. Ein schlichtes Holzschild verweist auf den berühmten Künstler, der hier auf die Welt kam. Das Barlach-Haus wurde 1986/87 vollständig saniert und restauriert und seit 1987 zeigt das Ernst Barlach Museum Wedel Ausstellungen mit Werken von internationaler Bedeutung.

Weiter geht es zum „Spritzenhaus“ in der Pinneberger Straße. Es wurde im Jahr 1890 erbaut und diente der 1878 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr. 1990 wurde das Spritzenhaus saniert und wird heute von einem Sozialdienstleister genutzt.

Unsere Gruppe wandert noch ein Stück weiter auf der Pinneberger Straße bis zur Riststraße, die 1900 angelegt wurde. Sie erhielt ihren Namen zu Ehren von Johann Rist. Die Riststraße besitzt noch heute einen besonderen Charme. Einige Häuser haben Sanierungsmaßnahmen fast unverändert überstanden. Sie verraten Details von Baukunst vergangener Zeiten und es lohnt sich, diese Straße genauer anzuschauen.  Sobald wir die Riststraße betreten, finden wir unter struppigem Grün den Eingang zu einem Luftschutzdeckungsgraben, der zwischen 1941 und 1944 errichtet wurde.

In der Mühlenstraße 28 finden wir das „Alte Brauhaus“. An diesem Standort stand jahrhundertelang das historische Brauhaus. Die Brauereien brachten viel Geld in den Ort. Das Brauhaus wurde im Jahr 1980 bei einem Verkehrsunfall so stark beschädigt, sodass es abgerissen werden musste. In den Jahren 1980/81 wurde an dieser Stelle ein dem Original weitgehend nachempfundener Neubau errichtet.

Weiter geht es zum „Mühlenwerkhaus“ aus 1870 und zum Wohn- und Speicherhaus von 1844.  Die Wassermühle gehört zu den allerfrühesten Gebäuden von Wedel und war von 1314 bis 1957 in Betrieb. Der Müller war stets ein „gemachter“ Mann. Die Gebäude dienen heute als Wohnhäuser und Restaurant. Weiter gehen wir zu dem erst vor wenigen Jahren restaurierten Haus Mühlenstraße 44, dass 1895 vom Postverwalter errichtet wurde. Im Haus Mühlenstraße 44 wird danach die erste Apotheke von Wedel errichtet. Heute befindet sich ein Café in diesem Haus.

Unser Spaziergang endet bei der 1910 erbauten „Weißen Villa“ von Wedel. (H.K.)

(Ergänzende Literatur: „Wo Geschichte sichtbar wird“. Eine Spurensuche in Wedel mit Carsten Dürkob. Verfasser: Carsten Dürkob. Wedel 2012.)